Diese Frage haben sich viele von uns bei der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch schon gestellt. Sollten Sie Ihre Piercings tragen und darauf hoffen, dass Ihr möglicher Arbeitgeber Sie so akzeptiert, wie Sie sind – oder sich im Gespräch lieber konservativer geben?
Die Antwort lautet: Es kommt darauf an. Ob Ihre Gesichtspiercings bei Personalverantwortlichen gut ankommen, kann sehr unterschiedlich sein – je nach Branche, nach der angestrebten Stelle und teilweise sogar nach Region. Ganz zu schweigen von den persönlichen Vorlieben und Abneigungen Ihres Gegenübers!
Bewerben Sie sich für eine kreative Position in einem angesagten Viertel einer Großstadt, werden Sie vermutlich feststellen, dass fast alle ein paar Piercings oder Tattoos haben – da können Sie also ganz entspannt sein. Trotzdem lohnt es sich immer, zu zeigen, dass Sie sich auch schick machen können.
Bewerben Sie sich bei einem eher traditionellen Unternehmen, sind Piercings Ihrem Gegenüber möglicherweise nicht geheuer, besonders im Vorstellungsgespräch. Hat die Stelle Kundenkontakt, sollten Sie bedenken, dass Sie das Unternehmen repräsentieren werden – Ihr Erscheinungsbild kann für das Unternehmen daher äußerst wichtig sein.
Denken Sie auch daran: Das sind die Menschen, mit denen Sie fast jeden Tag zu tun haben werden. Möchten Sie wirklich mit Leuten arbeiten, die Sie für Ihr Aussehen negativ beurteilen? Auch der gesunde Menschenverstand spielt hier eine große Rolle: Lehnt man dort Gesichtspiercings ab, obwohl Sie in einem Büro ohne Kunden- oder Klientenkontakt arbeiten, handelt es sich vermutlich um ein ziemlich konservatives (und wahrscheinlich eher rückständiges) Arbeitsumfeld.
Der erste Eindruck zählt
So wie Sie zum Vorstellungsgespräch einen Anzug tragen, ohne dass Sie ihn zwingend im Job brauchen, sollten Sie die Wirkung Ihrer Gesichtspiercings fürs Gespräch zurücknehmen – auch wenn Sie sie später bei der Arbeit tragen möchten. Denken Sie daran: Im Vorstellungsgespräch sollen Ihre Qualifikationen und Ihre Professionalität auffallen, nicht Ihr persönlicher Stil.
Ein unauffälliger Stecker oder ein kleiner, durchsichtiger Kunststoffring bleibt womöglich völlig unbemerkt, während ein auffälligerer Nasenring, eine größere Schlafcreole oder ein aufwendigeres Piercing dazu führen kann, dass Ihr Gegenüber Sie als weniger „vorzeigbar“ wahrnimmt.
Wir wissen: Es ist ärgerlich, nach dem Äußeren beurteilt zu werden. Aber wenn Sie sich die bestmöglichen Chancen auf den Job sichern möchten, sind Sie im Zweifel mit etwas mehr Zurückhaltung besser beraten. Sobald man merkt, wie großartig Sie Ihren Job machen, stören die Piercings vielleicht gar nicht mehr.
Sind Nasenringe im Vorstellungsgespräch in Ordnung?
Am besten tauschen Sie den Nasenring gegen einen winzigen Stecker aus. Es gibt sogar durchsichtige Nasenstecker – sie sind praktisch unsichtbar. Sobald Sie bei Ihrem neuen Arbeitgeber vorsichtig ausgelotet haben, was akzeptiert wird, können Sie vielleicht wieder zu etwas anderem wechseln.
Und Lippenpiercings?
Auch hier sind Sie besser beraten, auf einen durchsichtigen Lippenstecker oder Labret-Stecker umzusteigen, der Ihr Gegenüber im Vorstellungsgespräch nicht ablenkt.
Und mehrere Ohrpiercings im Vorstellungsgespräch?
Am sichersten ist es in der Regel, pro Ohr nur einen Stecker oder einen kleinen Ring zu tragen. Wenn Sie befürchten, dass sich eines Ihrer Piercings schließen könnte, können Sie sehr kleine oder durchsichtige Stecker wählen, die vermutlich nicht auffallen.
Neuer Job – und Sie fragen sich, was mit Ihrem Piercing ist?
Zuallererst: Glückwunsch! Haben Sie ein Jobangebot angenommen, fragen Sie sich vielleicht, ob man dort die Nase rümpft, wenn Sie mit Ihren gewohnten Gesichtspiercings erscheinen.
Am besten tasten Sie sich behutsam vor und fragen zum Beispiel in der Personalabteilung nach, ob es eine Unternehmensrichtlinie zu Piercings gibt. Nach dem Start bekommen Sie ein Gefühl für den Dresscode und dafür, was dort allgemein akzeptiert ist, und können sich hoffentlich wieder Ihrem persönlichen Stil annähern.

Unsere wichtigsten Tipps:
- Fragen Sie zuerst nach der Richtlinie. So zeigen Sie, dass Sie verstehen, warum es ein Thema sein könnte, und selbstbewusst und kommunikativ genug sind, die Regeln zu erfragen.
- Tasten Sie sich vorsichtig vor. Geben Sie sich im Vorstellungsgespräch und in den ersten Tagen eher zurückhaltend und zeigen Sie Ihren Gesichtsschmuck erst, wenn Sie Kolleginnen und Kollegen nach der Regelung gefragt (oder sich angesehen haben, was diese tragen).
- Sehen Sie es aus Sicht des Unternehmens. Manche Unternehmen haben sehr traditionelle Kundschaft und eine Marke, die von den Mitarbeitenden ein bestimmtes Erscheinungsbild erwartet: Das mag nicht richtig sein und es kann frustrierend sein, das zu akzeptieren, aber wenn es das Unternehmen ist, für das Sie arbeiten möchten, ist es manchmal ein Opfer, das man bringen muss.